Mein Steinzeithirn und die Digitalisierung

Christoph Holz ist Ingenieur, Raumfahrttechniker und Gründer der ersten Internet-Agentur Österreichs. Schon bei seiner Keynote verblüffte er mit interessanten und persönlichen Einblicken, wie etwa einem Röntgenbild seiner linken Hand, in der ein kleiner Chip mit RFID-Funktionen steckt. In seinem zweiten Vortrag ging es nun um die Digitalisierung und wie unser Hirn, das scheinbar immer noch in der Steinzeit steckt, damit umgeht.

Anfangs fragte ich mich noch, was denn die Steinzeit mit der Digitalisierung gemein hat. Natürlich weiß man, das die Urtriebe noch tief in uns verankert sind, aber ob Instinkte wie Flucht in die digitale Welt übertragbar sind? Schwer zu glauben. Ich wurde eines besseren belehrt.

Christoph Holz eine eine unspektakuläre Vortragsart. Das meine ich jedoch ausschließlich positiv. Er kommt ohne große Präsentation aus, lässt die Teilnehmer (immerhin 50 Personen) einen Sitzkreis bilden und spricht ruhig und gelassen über die Steintafel mit Keilschrift in seiner Hand, die die erste Form eines Vertrags war. Da ging es um Getreide und Bier. Der sei leicht zu fälschen, meint er dazu. Wenn aber beide Parteien eine Kopie hätten, müsste man schon beide stehlen und verändern. Und wenn alle 50 Personen hier im Kreis eine Kopie hätten, dann wäre das noch schwerer alle zu bekommen und zu verändern. Und das ist dann die Blockchain.

Wie bitte? Da musste mein eigenes Steinzeithirn diesen gedanklichen Sprung erst bewältigen. Kurz darüber nachgedacht, war dies jedoch die beste und absolut simpelste Erklärung, die ich je über die Verschlüsselungsart der Blockchain bekommen hatte. Ich hatte in den letzten Woche viel zum Thema gehört, aber dass es so einfach um schrieben werden kann, beeindruckte mich.

Nach einem Ausflug weiter zurück in die Steinzeit und der Klärung wie Eigentum entstand, ging es zurück zu digitalen Währungen. Eine Herzensangelegenheit von Herrn Holz, wie man merkte. Auf meine Frage, ob er an die Durchsetzungskraft von digitalen Währungen glaube, antwortete er mit seiner ruhigen Art ganz salopp, dass unsere etablierten Währungssysteme ja nichts anderes wären. Die Sicherheit durch Gold sei nicht mehr gegeben. Überhaupt, dass Gold der gemeinsame Nenner sei, ist ja auch nur eine Vereinbarung, denn dass ein Geldschein ja nur bedrucktes Papier sei, ist ja jedem klar. Aber wir akzeptieren es und das ist alles was zählt. Sein Conclusio ist vergleichbar mit einem Gemälde: Es ist immer nur so viel wert, wie jemand bereit ist dafür zu zahlen.

Unser Steinzeitgehirn versucht immer noch Dinge, die wir nicht verstehen, zu vereinfachen. Wurden Naturphänomene früher mit Gott erklärt, war es später die Wissenschaft, die es beschreiben und begreifbar machte. Wir brauchen immer eine Erklärung und ist sie auch noch so weit hergeholt, Hauptsache sie ist verständlich. Und daran scheitern die komplexen Gebilde der Digitalisierung. Jene, die es verstehen, verwenden es und verdienen damit mitunter viel Geld. Die anderen bleiben lieber bei bekannten Methoden, die etabliert sind. Die verstehen sie dann zwar auch nicht, aber die waren immerhin schon immer so.

Aus einem 40 Minuten Vortrag wurde ein interessante Diskussion mit einer Person, die enormes Wissen über die Digitalisierung hat. Hinzu kommt die seltene Fähigkeit hochkomplexe Gebilde mit einfachsten Begriffen zu beschreiben und auf simple Ebenen herunter zu brechen. Christoph Holz kann das und ich freue mich bereits jetzt auf seinen nächsten Beitrag.

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