Bildung für eine arbeitslose Zukunft

Gerfried Stocker ist Geschäftsführer von Ars Electronica in Linz und Medienkünstler sowie Ingenieur der Nachrichtentechnik. Er stellt seinen Vortrag beim eFuture-Day unter den provokanten Titel „Bildung für eine arbeitslose Zukunft“.

Im Rahmen der Präsentation überrascht Stocker mit einigen eindrucksvollen Fakten:

4,18 Mrd. Menschen sind an das Internet angeschlossen.
5,2 Mrd. Personen besitzen ein Smartphone.
2,2 Mrd. Nutzer_innen verwenden monatlich aktiv Facebook.

Damit zeigt er, wie verbreitet die Digitalisierung bereits ist. Er macht zudem auf einen ersten positiven und bedenklichen Aspekt aufmerksam: In Wirklichkeit ist die Entfernung zwischen uns und Nigeria oder Russland sehr groß, aber im Internet „sitzen“ wir nebeneinander. Es haben, aufgrund der Medien, sehr viel mehr Menschen die Möglichkeit unsere Nachrichtenwelt mitzugestalten. Z. B produzieren sie Nachrichten, aber zum Teil auch Fakenews, um etwas Geld zu verdienen, wie es beim US-Wahlkampf sichtbar war.

Roboter sind eine weitere positive und einschüchternde Entwicklung. Stocker erklärt, dass sie helfen verschiedene Aufgaben zu vereinfachen, aber ersetzen dadurch auch zahlreiche Beschäftigungen. Beispielsweise werden Roboter in der Logistik eingesetzt, wodurch ein_e Lagermitarbeiter_in nicht mehr benötigt wird. Ein älteres Beispiel ist der Bankomat, weshalb bereits zahlreiche Personen ihre Anstellung verloren haben. Auch gibt es spezielle Roboter und Techniken, welche in der Physiotherapie eingesetzt werden, wodurch eine Physiotherapeut_in nur mehr kontrollieren muss, ob die Geräte die entsprechende Tätigkeit ausüben. Das bedeutet, dass sich die Ausbildung der Physiotherapeuten verändern wird und sich dadurch auch ihr Einkommen verringert. Weiteres werden Roboter entwickelt, welche im Haushalt mithelfen, beispielsweise den Rasen mähen, Staubsaugen oder den Geschirrspüler einräumen. In Pflegeheimen gibt es auch Einsatzgebiete für Roboter. Z. B. werden Roboter-Haustiere verwendet, um Erinnerungen bei den Patienten (Demenzkranken) zu wecken. Das Altenheim in England Bournemouth setzt einen Roboter-Hund bei der Betreuung ihrer Bewohner_innen ein, wie in diesem Link erklärt wird.

Zusätzlich stellt der Vortragende auch ethische und moralische Fragen. Denn die Geräte können mittlerweile auch Gesichter etc. erkennen. Z. B. erkennt Windows Hello, wer in das Gerät blickt und entsperrt es nur für die Besitzer_innen. Seit 2011 können autonome Autos ihre Umgebung schneller wahrnehmen als ein Mensch. Dabei entstehen z. B. die Fragen, sollen Autos selbst entscheiden, wann sie einen Unfall bauen und wie soll mit autonomen Waffen umgegangen werden.

Aufgrund dieser Entwicklungen ist es für Stocker wichtig, dass die Gesellschaft digitale Kompetenzen hat und möchte, dass diese weitere gesteigert werden.

Er stellt auch das Ars Electronica Center in Linz vor, welches nicht ein Museum, sondern eine Bildungseinrichtung sein soll. Z. B. verwendet die medizinische Fakultät den Deep Space, einen Raum mit 8 K Monitoren, um Anatomie zu unterrichten. Dabei stellten die Dozierenden zum ersten Mal schmunzelnd fest, dass am Ende einer Lehrveranstaltung mehr Besucher_innen sind als zu Beginn. 

Ich selbst durfte mit siebzehn Jahren das Ars Electronica Center besuchen und hatte dort die Möglichkeit das erste Mal einen 3 D-Drucker anzusehen, das Weltall in 8 K-Auflösung zu betrachten, meinen Aufbau des Auges zu untersuchen etc. Ich war damals begeistert von diesen Technologien und freute mich diese einmal „live“ zu erleben und nicht nur Berichte darüber zu lesen oder sie in Filmen zu sehen. Ich könnte mir vorstellen, mit meinen zukünftigen Schülerinnen und Schülern eine solche Exkursion durchzuführen. Ich möchte ihnen dabei die Möglichkeiten der neuen Technologien aufzuzeigen, aber auch ein kritisches Denken vermitteln, welche Auswirkungen z. B. die Digitalisierung für unsere Zukunft hat.

Zusätzlich wird jährlich das Ars Electronica Festival durchgeführt. Es ist ein Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft. Dieses Jahr findet es vom 6. bis 10. September 2018 mit dem Motto „Error – The Art of Imperfection“ statt. Dieser Link verfügt über weitere Informationen zum Programm und dem Festival.

Hier findest du einen Einblick in das Ars Elcetronica Festival 2017.

Gerfried Stocker schloss seinen Vortrag mit den Worten ab, „Wie kann man die Technologien in der Schule einsetzen und die Jugendlichen auf ihre Zukunft vorbereiten?“

Diese Ausführungen haben mir sehr gut gefallen. Jedoch waren mir bisher die gravierenden Einschnitte in die Arbeitswelt durch die Digitalisierung und technischen Entwicklungen nicht bewusst. Für mich bedeutet diese Erfahrung, dass die Lehrenden den Lernenden einen Ausblick geben müssen, in welche Richtung unsere technischen Entwicklungen gehen. Weiteres müssen die Lehrpersonen den Schüler_innen verschiedene digitale Kompetenzen vermitteln, mit deren Hilfe sie die digitale und automatisierte Welt in Zukunft bewältigen können.

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